Jakob Augstein verabschiedet sich auf die dunkle Seite des Mondes

Von Alexander Wallasch Fr, 28. Juni 2019

Wie die revolutionsnostalgische Sehnsucht nach bürgerlicher Frontstellung bei einem gelangweilten Verlagserben zur Manie wurde. Und warum sich Jakob Augstein gerade mit leerer geistiger Batterie auf die dunkle Seite des Mondes verabschiedet hat.

Jakob Augstein kann auch ganz böse, wenn er den von ihm herausgegebenen Freitag nutzt, um Jagd auf ihm politisch nicht genehme Politiker zu machen.

In grafisch und farblich nahezu identischer Machart eines RAF-Fahndungsplakates – welches nach Terroristen der RAF suchte, von Susanne Albrecht bis Inge Viett – zeigt uns Augstein auf dem Titel seiner Freitags-Ausgabe 26/2019 Björn Höcke, Erika Steinbach, Max Otte und Beatrix von Storch und gibt diese vier Personen virtuell zum Abschuss frei.

Jawohl: Tod oder lebendig. „Vorsicht Hassredner“, wo auf dem Originalfahndungsplakat noch „Vorsicht Schusswaffen!“ steht. Rote Schrift, gelber Grund, schwarz-weiße Fotografien in der frontalen Verbrecherperspektive – da sieht auch der ansehnlichste Mensch recht unansehnlich aus.

Weiter heißt es auf Augsteins Wanted-Plakat: „Müssen wir die Meinungsfreiheit einschränken, um rechten Terror zu stoppen?“

Wo also Staatssekretär Peter Tauber (CDU) der AfD im Scheinwerferlicht der kommenden Landtagswahlen in den neuen Bundesländern die Mitschuld am Mord des Kassler Regierungspräsidenten zuschanzen will, lässt sich Augstein nicht lumpen und setzt noch einen drauf: Der Mensch als Schwein. Hier vermischt sich alles zu einer stinkigen Hexenbrühe.

Aber es ist eben auch leider ziemlich pubertär, wenn man sich als Vorgeschichte hin zu solchen zusammenkopierten Fahnungsplakatspäßchen den jungen Augstein vorstellt, wir er mit  schweißnassen Händchen durch die Bibel seiner Kindheit blättert; zu gerne würde man einmal die zerlesene Ausgabe seiner Ausgabe von Austs „Baader Meinhof-Komplex“ sehen. Ob er auch drin herumgemalt hat? Jetzt jedenfalls scheinen ihn die düsteren Dämonen seiner Kindheit wieder eingeholt zu haben.

Die Kriminalisierung des politischen Gegenübers – geplant und exekutiert aus augsteinschem Kleinverleger-Elfenbeinturm ist dort angekommen, wo man, wie die Jusos in Berlin, den Baseballschläger plakatiert mit der Aufforderung: „Nationalismus eiskalt abservieren!“ Bloß feste draufhauen, wo jemand anderer Meinung ist. Blut spritzen lassen.

Aber Digger, es bleibt eben auch dicke Hose aus Hamburg. Maulheldenhaft. Dann nämlich, wenn man sich erinnert, wie das ausschaut, wenn Augstein wirklich einmal in den Ring steigt wie Anfang 2016 bei Maischberger, als er sich gemeinsam mit Ralf Stegner auf Frauke Petry stürzte, Schaum vor dem Mund bekam und seine Mimik nicht mehr unter Kontrolle hatte.

Damals kommentierte TE: „„Die AfD ist eine Partei, der ist die Menschenwürde scheiß egal!“ geifert Augstein und stiert dann auch noch auf eine – man kann es nicht anders sagen – soziopathische Art und Weise Richtung Petry, dass einem Angst und Bange werden kann um die Frau. Hat sie Pfefferspray dabei? Wenigstens für ein gutes Bauchgefühl?“

Jetzt, drei Jahre später, macht Augstein auf dem Titel seines Freitags Politiker zu Mördern und Schwerverbrechern, zu Terroristen, die Waffen tragen und diese auch benutzen: „Natürlich kann geschossen werden!“ (U. Meinhoff). Leider eine große Verwirrtheit, wenn hier alles so durcheinander gerät.

Augstein auf der Suche nach der ultimativen Provokation? Nein, er bleibt gelangweilt, will nur spielen: Gefangen in seinem goldenen Käfig aus Einkommen, das andere erarbeitet haben – vom Freitag kann es ja nicht kommen – zwingt ihn sein schmalen Weltbild regelmäßig dazu, in der Welt der anderen da draußen immer nur weiter aufs niedliche Stupsnäschen zu fallen.

Vom in den 1980ern Jahren im Laternenlicht mit dem schwarzen Filzstift mit zittriger Hand gemalten Hitlerbärtchen am Helmut-Kohl-Plakat hinüber zum Fahndungsplakat nach der RAF – was für eine bescheidene revolutionäre Karriere. Ja, auch als Provokateur kann man scheitern, auch laut sein will gelernt sein.

Bei Jakob Augstein gerät das Laute nur unangenehm schrill, wenn er den so dringenden Wunsch hat, dass überhaupt noch jemand an ihm Anstoß nimmt: Die geistige Brandstiftung mit dem Flammenwerfer der Diffamierung, der Diskreditierung und der Denunziation im Verbund mit einer Titelseite seines Freitags nur wie ein Abiturientinnenstreich, wenn Augstein seine Leser via Fahndungsplakat auffordert, den politische Gegner zu stellen, so, als würde es sich bei den abgebildeten Personen um gemeine Mörder und Kriminelle handeln. Ist das wirklich böse oder nur ziemlich blöde?

Die Frage, die Augstein hier stellen will, hat er aus seiner Kinderbibel kopiert: „Entweder Schwein oder Mensch. Entweder überleben um jeden Preis oder Kampf bis zum Tod.“ Das ist so eine Botschaft, die er über eine grafische Nähe zur RAF ausdrücken will. Ach Du jemine.

Das Feuer ist eröffnet, schreit Augstein also ziemlich hysterisch von der Anhöhe, vom englischen Rasen hinunter ins Tal zu den Fußsoldaten im Feld und will es später wieder nicht gewesen sein, wenn die Knüppler, die Sprayer, die Fenstereinschmeißer, die Hinterücksniederschläger, die Autoreifenzerstecher, wenn die Mordgesellen von morgen die Hetze von Augstein vollenden.

Also jedenfalls theoretisch, dann, wenn jemand aus diesen Kreisen sein Blatt lesen würde, passiert aber nicht. So eine anhaltende Ignoranz kann dann schon einmal ein Aufmerksamkeitsdefizitproblem ausdrücken.

Jakob Augstein, gefangen in seiner wattierten Selbstradikalisierung: Eine unangenehme Verwechslung, wenn er mit einer verbalen Handgranate hantierte, als wäre es der silberne Löffel seiner Kindheit und wenn ihm die scharfe Munition dann im eigenen Gesicht explodiert. Noch schlimmer: Wenn der Knall noch nicht einmal gehört wird.

Jakob Augstein möchte gerne Brandstifter sein. So titelt er unterhalb seines menschenverachtenden Fahndungsplakates von „Geistiger Brandstiftung“.

Dort heißt es weiter: »Die Gratwanderung zwischen Wort und Tat, die intellektuell alimentierte und forcierte Konversion von der „nur“ verbalen Hetze zum gewalttätigen Exzess ist ein strukturelles Element des Politischen und Seismograf gesellschaftlicher Krisenhaftigkeit.« Schreibt Augstein in seinem Freitag.

Nein, Jakob Augstein taugt nicht einmal zum bösen Jungen. Es reicht gerade noch ein paar Jährchen für Schwiegermutters Liebling. Auch noch mit angetrocknetem Schaum vor dem Mund. Soll er doch damit zufrieden sein. Der bübchenböse kleine Hetzer.

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